Das Leben als Au Pair

17Sept2018

Entscheidet man sich für ein Au Pair Jahr im Ausland, denkt man im Voraus immer nur an das Positive. Man will mal raus aus der gewohnten Umgebung und Neues sehen. Man möchte seinen Traum Leben und die Orte sehen, die die Hollywood Scene so berühmt gemacht hat. Man möchte leben, wie die Amis leben. Aufs College gehen und sich mit seinen neuen Freunden, am besten noch am Strand, treffen. Dabei dürfen die College Parties, wie sie in "American Pie", oder in "The OC" dargestellt werden natürlich nicht fehlen. Am liebsten will man in einem riesen Haus direkt am Meer leben, mit Zac Efron als seinem Nachbarn. Man denkt daran, wenn man nicht gerade seinen Partner für ein Jahr zurück lässt, ein paar heiße Amis kennenzulernen, die mit ihrem Sixpack am Strand entlang joggen. Man hat Vorstellungen von einem perfekten Leben, einer perfekten Familie in einem perfekten Haus. Denn zum ersten Mal in seinem Leben, kann man sich die Familie und die Umgebung selbst aussuchen, in der man für 1-2 Jahre leben möchte. Dazu kommt noch, dass man seine Englischkenntnisse enorm verbessern kann, was gut auf dem Lebenslauf aussieht. 

Dabei kann es schnell passieren, dass man vergisst, was das Hauptgebiet eines Au Pair Jahres ist - die Kinderbetreuung!

- In meinem Blog möchte ich meine Erlebnisse als Au Pair mit euch teilen und zeigen, wie das Leben als Au Pair wirklich ist. Dabei kann ich natürlich nur von mir sprechen, denn jeder, der das Au Pair Jahr macht wird komplett andere Erfahrungen machen. Ich bin nun schon seit 3 Wochen in den Staaten und habe viel positives erlebt, was ich gerne mit euch teilen möchte. Leider haben nicht alle so viel Glück, wie ich...

Für meinen ersten Blogeintrag möchte ich euch nur eins mitgeben: Das Leben als Au Pair ist nicht immer einfach! (LG an meine Freundin Celine, sie musste ihren Traum leider schon nach nur einem Monat beenden! Und liebe Grüße an alle denen es ähnlich ging!)

 

Flight to New York

01Okt2018

 

Vor einem Monat noch, saß ich mit meinem prall gefüllten Koffer und meinem kleinen Handgepäckskoffer, - den ich eine Woche zuvor günstig auf einem Bazar in der Türkei gekauft hatte, einfach, weil ichs nicht eingesehen habe fast 100 Euro für einen 'guten' zu blechen- Da spricht der Schwabe in mir!- am von mir jährlich besuchten Stuttgarter Flughafen. Zusammen mit meiner Mutter und einer Menge anderen aufgeregten Au Pairs und ihren Begleitpersonen, die offensichtlich so aufgeregt waren, als wären sie diejenigen, die für ein Jahr wegfliegen!, stand ich in der Schlange für die Flugtickets und hoffte nur, dass alles klappen würde und ich nicht doch noch i.was unverzichtbares vergessen hatte. Meinen Reisepass zum Beispiel. Also checkte ich nochmal alle wichtigen Dokumente, zum gefühlt 99ten Mal. Als meine Mutter kurz aufs Klo verschwand, sah ich mich etwas um. Man erkannte die anderen Au Pairs direkt, nicht nur daran, dass alle diesen pinken Cultural Care Anhänger an ihrem Koffer hatten, der der Agentur bei der Ankunft in New York zeigen sollte, wer zu ihnen gehört! Alles Jugendliche zwischen 18 und 26, die auf der Suche nach sich selbst und ein paar Abenteuen waren. Man sah glückliche, wache, nervöse, ängstliche und verheulte Gesichter, letzteres waren vorallem die Gesichter der armen Seelen, die nun nicht nur ihre Familie und Freunde, sondern auch ihre geliebten Partner zurücklassen. In diesem Moment war ich nur unendlich froh in keiner Beziehung zu sein, das würde den Abschied um einiges erschweren! Ein paar Gesichter erkannte ich sogar wieder, von Profilbildern der Mitglieder in den zahlreichen AuPair- Whatsapp-Gruppen, die meistens überfordernd waren, aber auch zemlich praktisch sein konnten, um allerlei mögliche Fragen zu stellen, wie: "Glaubt ihr sie lassen mich einreisen mit einem KG Übergepäck?", "Sollen wir in der Training School einen Flashmob starten?", "Darf man KinderÜberraschungseier mitbringen?" (Nein) oder " Welche Adapter nehmt ihr mit?" -> Die wichtigen Infos für sich rauszupicken, ist da eine Kunst! Aber ich muss sagen ohne die letzte Frage, hätte ich die Adapter komplett vergessen. - Wo blieb meine Mutter eigentlich? Hoffentlich war sie nicht ins Klo gefallen oder hatte sich hier irendwo auf dem Flughafen Gelände verlaufen. Doch als sie zurück kam wusste ich, warum sie solange brauchte. Sie hatte mir noch eine kleine Dose mit Mintbonbons gekauft auf der stand "L(i)ebe deinen Traum". Ich trage sie immernoch jeden Tag mit mir herum, genau wie den Glücksdollar, den mir mein Onkel zum Abschied geschenkt hatte. Das war so rührend, dass ich mich fast den anderen weinenden Au Pairs angeschlossen hätte. Doch in mir war so viel Freude und Aufregung, dass sich die Tränen den Weg nicht freischlagen konnten. Als es endlich losging mit der Kofferabgabe - der Moment der Nervosität für die meisten Au Pairs- der Moment der ihnen sagt, ob ihre ganzen Abschiedsbücher und Gastgeschenke den Koffer zu schwer machten und ob sie nicht doch lieber 2 Unterhosen weniger hätten einpacken sollen. Meine Koffer waren beide ziemlich nah an der maximalen Gewichtsgrenze (21kg für den großen Koffer & 8kg für den Handgepäckskoffer). Und es war gar nicht so einfach, das hinzubekommen!
 
Mintschachtel at the Airport

Habt ihr schonmal versucht für ein Jahr zu packen? Und das für eine Stadt in der es bis zu -40 Grad Celsius hat im Winter?  Ich auch nicht! Dazu kommt noch, dass meine Gastfamilie mit mir über Weihnachten nach Colorado Skifahren gehen möchten, wobei ich mir nur dachte: "GAAYYL" Ich kann Snowboarden geehen! - Doch dabei habe ich natürlich nicht bedacht, dass es für mich kein Urlaub ist. Ich darf schöne Babyhügel mt den Kids runterfahren auf Skiern :D Wird bestimmt auch lustig - hoff ich doch mal :) und vlt findet sich ja ein Tag an dem ich mir ein Board leihen kann! That would be: "Amazing" - würde meine kleine Ellie jetzt sagen  - Das hieß also: "Meine Skiausrüstung muss auch in den Koffer! Wie ich das alles in einen Koffer bekommen habe?  -> Gar nicht . Meine Eltern haben mir ein Paket nachgeschickt, was fast so viel gekostet hatte, wie wenn ich einen zweiten Koffer angemeldet hätte. ($80)

Erleichtert und stolz nahm ich dann meine Flugtickets entgegen. Kurz darauf erhielt ich überraschenderweise eine Nachricht von meinem Kumpel Anas, dass er hinter mir stehe, und tatsächlich war er da! Er war gerade aus dem Urlaub zurück und am Stuttgarter Flughafen gelandet. Was ich gar nicht erwartet habe war, dass er mir sogar ein Geschenk mitgebracht hatte: (Ich sollte öfter verreisen :D) Es war ein sprechender Papagei- natürlich kein echter- ein Kuscheltier, der alles wiederholt, was man sagt. Er brauchte natürlich einen Namen, also benannte ich ihn nach der Stadt, aus der er kam: " Novalja". Mittlerweile haben meine Hostkids ihn in Polly umbenannt. Sie lieben ihn und ich liebe es, zu sehen wie viel Spaß sie mit ihm haben. Und ein netter Nebenbonus ist, dass man ihn als Art Druckmittel benutzen kann :D "Räum auf oder du darfst die ganze Woche nicht mit Polly spielen." Danke Anas!  Fröhlich und vollgepackt mit Rucksack, Nackenkissen, Handgepäckskoffer, Polly und Pulli, gingen wir dann zu dritt noch einen letzten Café trinken, bevor ich zur Sicherheitskontrolle und dem damit verbundenen Abschied musste.
 
letztes Zusammensein mit Polly und Mama + 1Euro Reisepasshülle aus China
 
Mein Koffer fing an sich immer leichter anzufühlen, und als ich mich umdrehte, merkte ich dass ich eine Spur aus Klamotten hinter mir ließ!  Meine Mutter und ich fingen lauthals an zu lachen und ich packte schnell meine Unterwäsche und Klamotten zurück in den Koffer und verfluchte meine schwäbische Ader. Der Reißverschluss meines Billigkoffers war aufgeplatzt. Erst hatte ich Angst er lasse sich nicht mehr schließen,, aber nach einmaligem kompletten Öffnen und wieder schließen war er als wäre nichts geschehen. -Zum Glück!- Um zu verhindern, dass es nochmal passiert, kauften wir noch schnell einen Gurt, um den Koffer zusammenzuhalten. So noch eine letzte Verabschiedungsumarmung und Entschlossen ging ich ab durch die Sicherheitskontrolle zum Gate, wo schon andere Au Pairs warteten, nun ohne ihre Eltern, was hieß sie waren nun auch darauf aus Gleichgesinnte zu finden. Also ging ich einfach auf sie zu: " Seid ihr auch Au Pairs?" , "Ja" und die Konversation ging los. Aufgedreht und Offen, wie ich war plapperte ich einfach drauf los: "Hey Ich bin Samira, und wie heißt ihr?" ... "Amelie, Anton, Sinatra..." und zahlreiche weitere Namen, von denen ich wusste, dass ich sie mir sowieso nicht alle merken werde. "Ich komm nach Chicago und hab 2 Mädels im Alter von 3 und 6.Und ihr? " sprach ich weiter. Nachdem alle Standard fragen geklärt waren, verglichen wir unsere Flugtickets, um herauszufinden, wer neben wem sitzen würde. Mein Sitz war neben Amelie, die zufälligerweise auch in Chicago wohnen wird! Sie war wirklich nett und wir verstanden uns ziemlich gut. Wir hatten einen Zwischenstop in London, und 2 Stunden Aufenthalt. Als wir endlich im Flieger nach New York waren, fragten wir uns wieso es so lange dauerte, bis wir losfliegen. Und eine Durchsage erläuterte, dass ein Passagier fehlte. Er nannte den Namen eines Mädchen, das auch von Stuttgart aus mit uns flog. Nach ca. 10 Minuten Wartezeit kam sie angelaufen. Erleichtert, dass ihr nichts passiert war, hoben wir ab. 8 Stunden entfernt von NEW YORK. Endlich - Ein Traum wird wahr für viele von uns! Die Zeit im Flieger ging schneller um als erwartet. Durch den Boardcomputer konnten wir unsere Zeit damit verbringen gegeneinander Schiffe versenken zu spielen und Filme zu schauen. Ich schaute 3 Filme: "Lady Bird"; "Maze Runner 3" und gegen Ende von "The greatest Showman " (Kann diesen Film nur empfehlen und ich muss unbedingt das Ende nachholen !!!) landeten wir auch schon! IN NEW YORK!!!!(Eigentlich sollte das nur ein kurzer Blog werden wie lang soll denn bitte der ganze Monat sein ??)
 
 
 
Mit einer Art Reisebus wurden wir dann in die New Yorker Trainigsschool gefahren.Während alle anderen soweit hinten wie möglich sitzen wollten, wollte ich den Platz ganz vorne, erstens weil mir oft schlecht wird wenn ich nicht vorne rausgucken kann und zweitens, hat man von dort die beste Aussicht! So verbrachte ich die Busfahrt damit, aus dem Fenster zu starrren und den Anblick amerikanischer Straßen und Häuser einzusaugen: Ein rießen Gebäude mit der Aufschrift: New York Times, Ein rießengroßer Friedhof, auf dem die Gräber umgeben von Gras waren. Es war das erste Mal, dass ich einen Friedhof als schön und friedlich bezeichnen würde. Einfach alles war rießig hier: Die Häuser, die Straßen, und die Autos. Jeeps und Vans soweit das Auge reichte. Und hier schien niemand die durchgezogenen Linien zu beachten. Jeder überholte von überall und der Bus fuhr, als gäbe es keine Verkehrsregeln. Wir wollten noch nicht sterben-nicht so kurz bevor das Abenteuer begann! Die Fahrt führte uns über die White Stone Bridge! Die Aussicht war einfach atemberaubend schön, gerade auch da wir im Sonnenuntergang fuhren. Um 9pm kamen wir dann endlich in der Trainingschool an: Müde, hungrig und immernoch aufgeregt! Doch realisieren konnte ich das ganze immer noch nicht! 
 
white stone bridge
 
Trainingsschool: (Coming Soon)

 

Ein Monat voller Gefühle

09Okt2018

Achterbahn der Gefühle
 
Kaum zu glauben! Ein Monat ist es jetzt schon her, seitdem ich mich endlich getraut habe diese einjährige Achterbahnfahrt ins Ungewisse und Ungewohnte zu vagen. Gestartet mit Fernweh, Abenteuerlust und Freude über Spaß, Aufregung, Staunen und Erfolgen, bis hin zu Gestresstheit, Müdigkeit, Einsamkeit, Überforderung, Misserfolgen und Heimweh ist auf dieser Achterbahnfahrt der Gefühle, einfach alles dabei! Bisher habe ich zahlreiche Höhen und Tiefen, sowohl in der Gefühls- als auch in der Realen - Welt erlebt. Die USA und all das Ungewohnte, Neue und Gigantische hier sind wirklich überwältigend und aufregend, aber teilweise auch beängstigend. Rückblickend jedoch überwiegen die Positiven Erfahrungen und Erlebnisse - und solange dies so ist, sind die negativen nur nebensächlich und charakterstärkend. Man genießt die positiven Erfahrungen und lernt aus den negativen.